Vergangene Woche hat uns die Diskussion um billige Mode und Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie sehr beschäftigt (die ARD hatte sich am Montag des Themas in der „Check“-Reihe und in der „Hart aber fair“-Sendung angenommen). Die Kolleginnen und Kollegen in der hessnatur-Kundenbetreuung haben nach der Ausstrahlung zig Anfragen zum „Stiftung Warentest“-T-Shirt beantwortet, das „zu Gast“ in der Sendung war, und auch bei Facebook haben uns viele Kommentare zu unserer nachhaltigen Produktion erreicht.

Am Freitag hatte ich hier im Blog auf den lesenswerten Artikel von Kirsten Brodde und Mark Starmanns hingewiesen, die acht wichtige Fragen formuliert haben, die man/frau in Sachen Nachhaltigkeit und Fairness an das Lieblingsmode-Label stellen kann und sollte. Heute will ich diese aufgreifen und für hessnatur und unsere textile Kette beantworten.

1. Kennt das Unternehmen seine komplette Produktionskette?

Klares Ja. Die textile Kette von hessnatur lässt sich vom Anbau der Faser über alle Produktionsschritte bis zur Anlieferung der Ware ins Lager in Butzbach zurückverfolgen. Die Kolleginnen und Kollegen unserer Qualitätssicherung steuern das über den so genannten Artikelpass, der alle Informationen bzw. Freigaben aufführt: Vom Bio-Anbau der Baumwolle über das Spinnen, Färben, Stricken bis hin zur Konfektion. Im Katalog und Onlineshop gibt’s für jedes hessnatur-Produkt die so genannten Deklarationen, die über Ursprungsland der Faser, Land der Konfektion als auch die eingesetzten Zusatzstoffe und Verfahren (z.B. mechanische Behandlung  oder pflanzlich gefärbtes Leder) informieren. Am Beispiel des Basic-T-Shirts, das von der Stiftung Warentest gelobt wurde, kann man das hier noch mal nachlesen.

2. Hat das Unternehmen hohe Arbeitsstandards für alle Herstellungsschritte festgelegt?

Die hessnatur-Sozialstandards basieren auf den Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Die beinhalten u.a. gerechte Löhne, ein geregeltes Arbeitsverhältnis, Versammlungsfreiheit und das Verbot von Kinderarbeit. Jeder Lieferant, der für hessnatur produziert, verpflichtet sich diese einzuhalten und den Näherinnen und Nähern gegenüber auch zu kommunizieren. Die Einhaltung und Umsetzung kontrolliert hessnatur durch die Mitarbeiter des Bereichs Innovation & Ökologie als auch durch die Fair Wear Foundation (FWF) vor Ort.

3. Sucht das Unternehmen gemeinsam Lösungen mit Konkurrenten und Kritikern?

Verbesserungen und Veränderungen hin zum Positiven fangen ja immer im Kleinen an. Durch die Mitgliedschaft im Internationalen Verband der Naturtextilien (IVN) gibt hessnatur seit Jahren wichtigen Input zu Herstellungsstandards, Produktionsmethoden und auch den besonderen Eigenschaften und Ansprüchen von Naturfasern. Über solche Institutionen kommt Know How auch anderen Anbietern von ökologischer und natürlicher Kleidung zu Gute.

Ein konkretes Beispiel, was mir in Bezug auf hessnatur immer wieder einfällt, ist unsere Kooperation mit Grameen Knitwear in Bangladesch. Das Unternehmen hatte vorwiegend mit synthetischen Fasern gearbeitet, von hessnatur wurde Spinnen, Rundstrick, Färben und Konfektionieren von Bio-Baumwolle geschult. Heute stellt Grameen Knitwear nicht nur für hessnatur unsere Statement-Shirts her, sondern fertigt auch für andere Kunden Shirts aus Bio-Baumwolle. Vor Ort wird zu zu fairen Bedingungen produziert und die Arbeiter haben auf diese Weise eine Chance, der „Billiglohnfalle“ in Bangladesch zu entkommen.

4. Nimmt das Unternehmen die Bedürfnisse der ArbeiterInnen in der Fabrik ernst?

Bei den Audits in den Produktionsbetrieben werden die Arbeitsbedingungen vor Ort analysiert und erfasst. Bei Mängeln und notwendigen Verbesserungen wird von hessnatur selbst oder der Fair Wear Foundation ein Corrective Action Plan erstellt (CAP). Der schreibt vor, was in welcher Zeit vom Produzenten umzusetzen und zu ändern ist. Außerdem gibt es in den hessnatur-Betrieben für die Näherinnen und Näher die Möglichkeit, sich in Konfliktfällen vor Ort an eine neutrale Beschwerdestelle zu wenden, die an die Fair Wear Foundation berichtet.  Ohne Angst davor zu haben, dass sie eine Kündigung erhalten oder am Arbeitsplatz diskriminiert werden.

Wer mehr zum Thema hessnatur-Sozialstandards lesen möchte, wird hier fündig – im vergangenen Jahr haben wir im Rahmen einer Newsletter-Reihe ausführlich darüber berichtet.

5. Hat das Unternehmen hohe ökologische Ziele definiert?

Naturbelassene und gesunde Kleidung zu produzieren, die weder Mensch noch Natur schadet – das war die  Motivation von hessnatur-Firmengründer Heinz Hess, als er  1976 die erste Babykollektion aus Naturfasern auf den Markt brachte. Die hessnatur-Richtlinien haben sich seit der Gründerzeit kontinuierlich weiterentwickelt. Heute zählen sie zu den strengsten in der Textilbranche.

6. Denkt das Unternehmen zirkulär?

Wir versuchen, den Spagat zwischen Trend und Tradition zu lösen, indem wir uns Anregungen und Ideen auf internationalen Messen und Modenschauen holen, aber nur ausgesuchte Modethemen aufgreifen und diese sehr wertig und individuell für hessnatur umsetzen. Ziel dabei: Mode zu entwerfen, die auch im nächsten und übernächsten Jahr noch gerne getragen wird. Darüber hinaus achten wir ganz bewusst auf eine saisonübergreifende Kombinierbarkeit unserer Farben.

7. Zahlt das Unternehmen faire Preise?

Mit den hessnatur-Sozialstandards und der Mitgliedschaft in der Fair Wear Foundation sorgt hessnatur für gerechte Arbeitslöhne in der Konfektion. Was Naturfasern betrifft, setzt hessnatur bei Bio-Baumwolle u.a. auf die Baumwolle, die aus dem eigenen Anbauprojekt in Zusammenarbeit mit der Schweizer Entwicklungshilfe-Organisation Helvetas aus Burkina Faso kommt – das Entwicklungsland in Westafrika zählt zu den ärmsten Ländern der Erde. Die Bauern des Projekts erhalten eine doppelte Prämie: Zum einen einen 20 %-Aufschlag zum regulären Baumwollpreis für den Bio-Anbau, zum anderen weitere 20 % Fair Trade-Prämie. Darüber hinaus unterstützt hessnatur aktuell zwei Schulen, die von den Kindern der Baumwollbauern besucht werden, und finanziert dort das regelmäßige Mittagessen. Damit ist sichergestellt, dass rund 550 Kinder einmal am Tag ein warmes und gesundes Essen bekommen.

8. Steht das Unternehmen zu seiner Verantwortung?

Neben der konsequent ökologischen und sozial fairen Produktion engagiert sich hessnatur auch außerhalb der Wertschöpfungskette: Durch Sponsoring, durch Kooperationen und Förderung von nachhaltigen Projekten wie beispielsweise „Plant for the Planet“. Und dass die beiden Autoren bei diesem Punkt von „hessnatur als Pionier“ sprechen, freut uns natürlich besonders.

Wer mehr über die angesprochenen Richtlinien erfahren will, wird hier fündig. Nicht vergessen möchte ich den Blog „Netzwerk Faire Mode“, der sich als Online-Einkaufsführer für nachhaltige Mode entwickeln möchte und damit für mehr Klarheit und Transparenz für kritische Verbraucher sorgt.